Im November hing ein Teil meiner Serie „Vision of Vine – Winds of Change“ im Berliner Kühlhaus. Nicht in einer Galerie, sondern mitten im PIWI Summit International, einem Fachkongress für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Ich bin seit Jahren im Weinthema unterwegs: als ausgebildete Verkosterin, als Jurorin bei internationalen Weinwettbewerben und als Mitbegründerin eines Onlinemagazins zu spanischem Wein und Weintourismus.
Dass ausgerechnet diese Serie, die ich als Fotografin über den Wandel im Weinberg entwickelt habe, nun zwischen Verkostungsstationen und Zukunftswerkstätten hing, hatte eine Logik, die ich nicht geplant hatte.

Was PIWIs eigentlich sind
PIWI steht für pilzwiderstandsfähig und bezeichnet Rebsorten, die mit deutlich weniger oder ganz ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen. Keine Sensation, aber eine ehrliche Antwort auf den Klimawandel: pragmatisch, langfristig gedacht, ohne großes Aufheben. Genau diese Haltung machte das Kühlhaus an diesem Wochenende zu einem bemerkenswerten Ort.
Die Bilder der Serie sind in verschiedenen Weinregionen entstanden. Dass eine Auswahl davon nun hier zu sehen war, ergab eine Verbindung, auf die ich nicht gezielt hingearbeitet hatte, die aber sofort spürbar war. Die Serie folgt einem Bogen in drei Teilen: von der Verunsicherung und dem spürbaren Druck des Wandels, über Bewegung und das Suchen nach neuen Wegen, bis hin zu etwas, das ich als Vitalität beschreiben würde. Nicht als Lösung, sondern als Haltung.
Dieser Bogen und das, was PIWIs im Weinbau beschreiben, lagen nah beieinander.
Kunst und Weinbau sprechen gerade über dasselbe, nur mit anderen Mitteln.

Schwarz-Weiß mit Farb-Kontrapunkt
In Berlin hingen vorwiegend Schwarz-Weiß-Arbeiten, ergänzt durch drei farbige Bilder, bewusst als Kontrapunkt gesetzt. Die Farbe brach die Reduktion an genau drei Stellen auf und schuf einen anderen Resonanzraum, in dem die schwarz-weißen Bilder umso ruhiger wirkten.
Was mich faszinierte: Die Interpretationen vor den Bildern waren so unterschiedlich wie die Weine, die nebenan verkostet wurden. Wo jemand Verwurzelung und Kraft sah, erkannte die nächste Person genau den Moment des Loslassens. Ob das an den Bildern lag oder an den Menschen, die an diesem Wochenende im Raum waren, lässt sich schwer sagen. Wahrscheinlich beides.
Dieser Hintergrund hat dazu geführt, dass die Serie überhaupt entstanden ist. Und er hat mir im Kühlhaus geholfen, Gespräche zu führen, die über „schöne Bilder“ hinausgingen.
Was die Serie beim Best Photography Award ausgezeichnet hat, findest Du hier.
Ein herzliches Dankeschön gilt PIWI International für die Einladung und die Möglichkeit, meine Arbeit in diesem Rahmen zu zeigen. Als Gründungsmitglied von PIWI Deutschland und Mitglied bei PIWI International war diese Ausstellung kein zufälliges Zusammentreffen, sondern Teil einer Verbindung, die schon seit einigen Jahren besteht.

Ob das Berliner Kühlhaus der richtige Ort für abstrakte Fotografie und zukunftsfähigen Wein ist?
Ich würde sagen: Es war genau der richtige.