Am 6. Juli hingen zwei meiner Arbeiten an einer weißen Wand in der Rue Georges Blanc. Draußen die Julihitze der Provence, drinnen ein Raum voller Fotografiebegeisterter. So haben die Rencontres d’Arles 2026 für mich angefangen.

ProfiFoto hat mich für die Ausstellung „Worlds in View“ ausgewählt, kuratiert von Thomas Gerwers.
Gezeigt wurden „Invocation“ und „Origin and Echo“, zwei Arbeiten aus meiner Shikoku-Serie.
Die Pop-up-Galerie Les Murs Blancs in der 12 Rue Georges Blanc war vom 6. bis 12. Juli täglich von 10:30 bis 19:00 Uhr geöffnet, dazu lief die ganze Woche über ein Veranstaltungsprogramm.
2024 war ich schon einmal dabei, damals bei der Ausstellung „Beyond the Surface“.
Die Vernissage war gut besucht, und es blieb die ganze Woche über lebendig. Arles ist in der ersten Woche voll von Menschen, die wegen der Fotografie angereist sind, und viele von ihnen haben den Weg in die Pop-up Galerie gefunden.
Die Gespräche in Arles 2026
Ich war häufig in der Galerie. Das war der beste Teil der Woche.
Jemand bleibt vor einem Bild stehen, das sich nicht sofort einordnen lässt, und fängt an zu fragen.
Wie entsteht so etwas.
Ob das noch Fotografie ist.
Was man da eigentlich sieht.
Daraus wurden interessante Gespräche, über Fotokunst im Allgemeinen und über meine Arbeitsweise im Besonderen. Über Bewegungsunschärfe als Bildsprache, über Belichtungszeiten, vor allem aber darüber, was ein Bild auslöst, das eher auf Gefühlsebene, als dokumentarisch anspricht.
Solche Gespräche entstehen online nicht.
Ich liebe diesen Austausch!

Auf der Vernissage habe ich Kristin Dittrich von der Shift School for Photography getroffen. Sie hat mit meinen Bildern regelmäßig ihre Schwierigkeiten und sagt im Spaß, es sehe aus, als würde man die Brille absetzen. Zuhören tut sie trotzdem sehr genau, wenn ich erkläre, warum ich so arbeite, und dann findet sie genau das spannend. Diese Mischung aus Widerspruch und echtem Interesse ist mir lieber als ein flüchtiges Lob.
Zwei Diskussionen über Fotografie und KI beim Rencontre Arles 2026
Aus der ersten Runde ist mir ein Begriff hängen geblieben.
Die Teilnehmenden hielten „repräsentieren“ für das falsche Wort und schlugen „übersetzen“ vor, wenn sie darüber sprechen, was Fotografie bedeutet. Ein Foto bildet die Wirklichkeit nicht ab, es übersetzt sie.
Und jede Übersetzung trifft Entscheidungen.
Die zweite Runde war sich am Ende einig: Künstliche Intelligenz ist nicht kreativ, weil sie nicht auswählen kann. Ihr fehlt der eigene Bezugsrahmen, aus dem heraus man entscheidet, welches Bild bleibt und welches verschwindet. Die Auswahl sei der eigentliche künstlerische Akt.
Ich sehe das ähnlich, komme aber von einer anderen Seite.
Meine Bilder entstehen in der Bewegung, während der Sensor geöffnet ist.
Ich kann die Bedingungen vorbereiten, das Ergebnis kann ich nicht unmittelbar bestimmen.
Was danach kommt, ist Auswahl: aus vielen Aufnahmen die eine finden, die trägt. Das Bild finden, das das Gefühl und die Intensität des Augenblickes wiedergeben kann. Diese Entscheidung kann mir niemand abnehmen, weil sie nicht aus einer Regel herleitbar ist, sondern aus dem, was ich vor Ort gesehen und vor allem gespürt habe.
Dann ist das Bild fertig, aber es muss noch warten. Es braucht zusätzlich jemanden, der davor stehen bleibt und in den Dialog mit ihm geht. Genau das habe ich in Arles so gerne beobachtet.

Was ich bei den Rencontres d’Arles 2026 gesehen habe
Ich hatte mir mehr vorgenommen. Ab Freitag ging es nicht mehr, meine Bandscheibe, später kam die Operation dazu. In den Tagen davor habe ich trotzdem einiges gesehen, das mich auch noch im Nachhinein beschäftigt.
Ming Smith, „Lueur nomade“, Église Sainte-Anne.
Viele ihrer Bilder sind bewegt, unscharf, verwischt. Eine Fotografin, die seit den siebziger Jahren in Teilen genau das macht, was mir selbst so wichtig ist: dem Bild erlauben, ungenau zu sein, damit es etwas anderes zeigt als eine reine Beschreibung und Dokumentation dessen, was vor der Linse ist.
Harry Gruyaert, „A Sense of Place“, Chapelle Saint-Martin du Méjan.
Seine Farben und seine Geometrien haben etwas mit mir gemacht. Ich stand davor und hatte den Impuls, nicht seine Bilder festzuhalten, sondern mein eigenes Gefühl beim Betrachten, mit meiner Kamera und meiner Art zu arbeiten. Dieser Blick für die Geometrie war wirklich beeindruckend!
„Modèle animal. 200 ans de photographie“, La Mécanique générale.
Zweihundert Jahre Fotografie entlang unserer Beziehung zum Tier. Sehr ansprechend kuratiert mit vielen verschiedenen Blickwinkeln. Eine der Ausstellungen, aus denen ich langsamer herausgekommen bin, als ich hineingegangen bin.
Alain Keler, Retrospektive, Douches municipales.
Ein Lebenswerk über Jahrzehnte. Beeindruckend zu sehen, was entsteht, wenn jemand über so lange Zeit dranbleibt und stets weiter seinen Blick und die Beobachtungsgabe trainiert.
„Nos rêves lointains“, Espace Monoprix.
Eine Archivarbeit, begleitet von Textzitaten. Die Kombination aus Bild und Zitat hat mich berührt, weil beides zusammen mehr erzählt, als jedes für sich. Es fühlte sich sehr intensiv an.
Lara Tabet und Yasmine Chemali, „Le corps vitré“, Cloître Saint-Trophime.
Bilder, die mit Bakterien entstehen. Ich habe davor gestanden und an Wein gedacht, an Hefen, an spontane Gärung, an all das, was im Keller unsichtbar arbeitet. Vielleicht wird daraus irgendwann etwas.
Und im Arles OFF lief „New York Trilogy“ in der 29 Rue de la Liberté, hervorragend kuratiert von Sabine Schnakenberg von den Deichtorhallen Hamburg. Drei Blicke auf dieselbe Stadt:
Nina Kling aus New York, Jens Krauer aus Zürich und Mario Schneider aus Halle.
Drei Positionen in einem Raum, die sich gegenseitig Platz gelassen und gleichzeitig bereichert haben.
Das sieht man nicht sehr oft.

Ich bin mit zwei eigenen Bildern angereist und mit einem Kopf voller spannender Bilder und neuer Ideen wieder zurückgefahren.
Die Serie im Original
Wer die Arbeiten aus „Shikoku. Verwobene Welten“ nicht nur auf dem Bildschirm sehen möchte:
Ein Teil der Serie hängt gerade bei The Pier in Mainz, Große Bleiche 15, montags bis freitags von 8:30 bis 17 Uhr, noch bis zum 27. August 2026.
Eine Anmeldung ist nicht nötig – einfach klingeln und sagen, dass Du meine Bilder anschauen möchtest. Über eine kurze Nachricht vorab freue ich mich trotzdem, dann bin ich nach Möglichkeit sogar selbst da.

Weiterlesen
Der Bericht von der Vernissage bei The Pier in Mainz
Die vollständige Serie: Shikoku. Verwobene Welten
Mein Bericht von den Rencontres d’Arles 2025
Und der Anfang: MRK Photography bei Arles OFF
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## Bildunterschriften und Alt-Texte
**Bild 1, Ausstellungsansicht**
Bildunterschrift: „Worlds in View“, Galerie Les Murs Blancs, Arles, Juli 2026
Alt-Text: Ausstellung Worlds in View bei den Rencontres d’Arles 2026, zwei abstrakte Fotografien an weißer Wand
**Bild 2, Invocation**
Bildunterschrift: „Invocation“, aus der Serie Shikoku. Verwobene Welten
Alt-Text: Abstrakte Fotografie Invocation, entstanden mit Bewegungsunschärfe als Bildsprache, Rencontres d’Arles 2026
**Bild 3, Vernissage**
Bildunterschrift: Vernissage in Arles, 6. Juli 2026
Alt-Text: Vernissage der Ausstellung Worlds in View bei den Rencontres d’Arles 2026 in der Galerie Les Murs Blancs